Samstag, 14. Februar 2015

Orientalische Bibelnacht zum Buch Ester


Erarbeitet vom Vorbereitungsteam um Pfarrerin Eveline Kirsch in Ludwigsburg-Hoheneck

Texte von Klaus Bendel

Ablauf der Bibelnacht mit "Bibel teilen":


14 Uhr: Raumdekoration, Speisen + Getränke vorbereiten

18.30 Uhr:Duftlampe entzünden

Begrüßung durch Moderator(in)

Lied: Ich sing dir mein Lied NL 56 Strophen 1-3

Teil 1 – Die Einführung

Erzähler(in):
Im Persischen Reich steht der Winter vor der Türe. Wir schreiben das Jahr 483 vor Christus. In seiner Hauptstadt Persepolis residiert Xerxes, der persische Großkönig. Persepolis liegt im Hochland von Perses, dem Kerngebiet der Perser.
Da die Winter dort oben sehr unangenehm werden können, macht er sich Jahr für Jahr, gemeinsam mit seinem Hofstaat, auf den Weg in die tiefer gelegene Winterresidenz nach Susa.
Die Ernte in diesem Jahr ist eingebracht und war sehr gut. Daher lässt der Großkönig in Susa ein pompöses Fest ausrichten. Er lädt die Fürsten aller Länder ein, die sein riesiges Reich umfasst. Er will allen zeigen wie reich und mächtig er ist.
Von Indien im Osten bis Lybien im Westen, vom Persischen Golf im Süden bis zum Schwarzen Meer im Norden reicht sein Herrschaftsgebiet. Es ist ein Vielvölkerstaat.
Auch Babylon wurde einst von den Persern erobert und ist nun Teil des Reiches.
Babylonier sind vor allem als Schreiber für den König tätig.
Doch ritzen diese ihre Schriftzeichen jedoch nicht wie üblich keilförmig in Tontäfelchen, sondern schreiben in aramäischer Sprache mit Federn auf Tierhäute; auf Tierhäute die sie Pergament nennen.
Es lebten auch viele Juden in Babylon im Exil. Einige von Ihnen kamen ebenfalls bis in die persische Hauptstadt in den Dienst des Königs.
Viele Völker, viele Sprachen. So wird Xerxes bei den Juden auch Ahasveros genannt.
Wir dürfen uns freuen!
Auch wir sind heute Abend auf ein solches Fest eingeladen; eingeladen ein wenig Orientalische Luft zu schnuppern.
Als wir in Susa eintreffen, dauert das Fest bereits 180 Tage. Denn zunächst sind lediglich die Großen des Reiches geladen. Nachdem dieses lange Fest der Elite vorüber ist, wird nun auch dem gemeinen Volk gedacht. Natürlich fällt dieses Fest um ein vielfaches kürzer aus. Es dauert nur 7 Tage. Doch in diesen 7 Tagen darf sich jede und jeder ein wenig groß und wichtig fühlen.
Wenn Sie sich umschauen, was ist hier nicht alles zu sehen und zu schmecken. Ja genau, die Knabberdeko ist tatsächlich essbar.

(Während die Gottesdienstbesucher den Raum auf sich wirken lassen, erfolgt die erste Lesung)

Zimeln erklingen - Mitarbeiterin


Lektor(in) 1: (Lesung aus dem ersten Kapitel vom Buch Ester die Verse 1 – 8)

Es war in der Zeit, als König Xerxes über das Perserreich herrschte, ein Reich aus 127 Provinzen, das von Indien bis Äthiopien reichte; sein Königsthron stand in der Stadt Susa.
In seinem dritten Regierungsjahr gab er ein Fest für alle führenden Männer des gesamten Reiches. Die hochrangigen Offiziere aus Persien und Medien, der hohe Adel und die Statthalter aller Provinzen nahmen daran teil. Volle sechs Monate stellte der König seine Macht und seinen unermesslichen Reichtum vor ihnen zur Schau. Anschließend veranstaltete der König ein Fest für alle Bewohner des Palastbezirks, vom vornehmsten bis zum geringsten. Sieben Tage lang wurde im Schlosspark gefeiert.
Zwischen Alabastersäulen waren weiße und blaue Vorhänge aus kostbaren Stoffen aufgehängt, befestigt mit weißen und purpurroten Schnüren und silbernen Ringen. Polsterbetten mit goldenen und silbernen Füßen standen auf dem kostbaren Fußboden aus verschiedenfarbigen Steinplatten.
Getrunken wurde aus goldenen Bechern, von denen keiner dem andern glich; Wein gab es in Fülle aus den königlichen Kellern.
Alle konnten trinken, so viel sie wollten; aber niemand wurde dazu gezwungen. Der König hatte die Diener angewiesen, sich ganz nach den Wünschen der Gäste zu richten.

Erzähler(in):
Das „kleine“ Fest dauert bereits eine Woche. Heute ist der letzte Tag. Alle sind gut drauf und der König möchte nochmals die Gunst der Stunde nutzen, jetzt da alles Volk versammelt ist, um der Darstellung seines Reichtums noch ein Sahnehäubchen zu verpassen. Er befiehlt seine schöne Königin zu sich, um ein wenig mit ihr anzugeben.
Doch die Königin Wasthi möchte nicht kommen, denn sie feiert ihre eigene Party mit leckeren Getränken.
Haben Sie schon davon gekostet? …

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Ø  Getränke stehen bereit
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Wie gesagt, Königin Wasthi möchte nicht kommen, nur um sich für ihren König zu Schau zu stellen.
„Sie weigert sich zu kommen?“ der König rast vor Zorn und bespricht sich sofort mit den sieben Fürsten seines Reiches.
Die Weigerung der Königin könnte Schule machen. Was, wenn alle Frauen im Reich ihrem Vorbild folgen würden?
Die Fürsten raten zu einer folgenschweren Entscheidung ….

Zimbeln erklingen: Mitarbeiter(in)

Lektor(in) 2: (Lesung aus dem 1.Kapitel von Vers 19 bis 2.Kapitel Vers 2)

Wenn der König es für richtig hält, sollte er einen königlichen Befehl erlassen, dass Waschti nie wieder vor ihm erscheinen darf. Dies müsste unter die Gesetze der Meder und Perser aufgenommen werden, die unwiderruflich sind. Und dann sollte der König an ihrer Stelle eine andere zur Königin machen, die diese Würde auch verdient. Wenn dieser Beschluss des Königs in seinem ganzen Reich bekannt wird, werden alle Frauen, von den vornehmsten bis zu den einfachsten Familien, ihren Männern den schuldigen Respekt erweisen.«
Dem König und seinen Fürsten gefiel dieser Rat gut. Wie Memuchan vorgeschlagen hatte, schickte der König einen Erlass in alle Provinzen seines Reiches, jeweils in der Schrift und Sprache des betreffenden Landes. Auf diese Weise wollte er sicherstellen, dass jeder Mann in seinem Haus der Herr bleibt. Als der Zorn des Königs sich gelegt hatte, begann er, über das Geschehene nachzudenken. Seine Diener bemerkten es und sagten zu ihm: »Man sollte für den König schöne junge Mädchen suchen, die noch kein Mann berührt hat!

Erzähler(in):
Das Reich ist groß und besteht bekanntlich aus unterschiedlichsten Völkern.
Daher dauert es eine ganze Weile bis die schönsten Jungfrauen zu den Frauenhäusern in Susa gebracht werden können.
Ein ganzes Jahr werden sie dort gepflegt und gehegt, damit sie ihrem König würdig seien und ihm vorgestellt werden können.
Im Dienst des Königs ist auch ein jüdischer Mann namens Mordechai, der seine Kusine bei sich aufgenommen hatte. Ihr Name ist Hadassa, wird aber von allen Ester genannt. Beide Eltern waren gestorben und Mordechai nahm sie als Tochter in seiner Familie auf. Mordechai ist einer der Juden, die über das Exil in Babylon nach Susa gekommen waren.
Ester ist sehr schön, klug und hat ein freundliches Wesen. So wird auch Sie in den Palast des Königs gebracht, um auf die Begegnung mit dem Herrscher des Persischen Reichs 12 Monate lang vorbereitet zu werden.  Mordechai bittet seine Ziehtochter im Palast nichts über ihre Herkunft zu sagen und Ester gehorcht …
Als es wieder Winter geworden ist, kommt der König wie gewohnt nach Susa. Es ist bereits Ende November im damaligen Monat Tebeth, als er Ester zu sich rufen lässt.
Als er sie gesehen und mit ihr gesprochen hat, ist seine Suche beendet.
Er hat die Frau gefunden, die an seiner Seite Königin werden soll.
Ester, das jüdische Waisenkind und der König.
Er fragt nicht nach ihrer Herkunft. ..


Salböl – Hinführung und Durchführung durch Moderator(in) …
Ø  Salben mit Mandelöl
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Zimbeln erklingen: Mitarbeiter(in)

Lektor(in) 4: (Lesung aus dem 2.Kapitel von Vers 17 bis 2.Kapitel Vers 23)
Der König fand an Ester mehr Gefallen als an allen andern Frauen und sie übertraf in seinen Augen bei weitem die anderen Mädchen. Deshalb setzte er ihr die Krone auf und machte sie an Waschtis Stelle zur Königin. Er gab ihr zu Ehren ein großes Festmahl und lud alle führenden Männer seines Reiches dazu ein. Er gewährte den Provinzen seines Reiches einen Steuernachlass und verteilte königliche Geschenke.
Ester hatte dem König immer noch nichts von ihrer jüdischen Herkunft und Volkszugehörigkeit gesagt. So hatte Mordechai es ihr befohlen und sie folgte ihm noch genauso wie damals, als sie seine Pflegetochter war. Mordechai stand inzwischen in königlichen Diensten und saß in der Torhalle des Palastbezirks.
Gerade damals nun machten Bigtan und Teresch, zwei königliche Eunuchen, die die Torwache befehligten, eine Verschwörung. Sie waren unzufrieden mit dem König und beschlossen, ihn umzubringen. Mordechai, der ja ebenfalls dort im Tor war, erfuhr davon und sagte es Königin Ester, die es in seinem Auftrag sofort dem König meldete.
Die Sache wurde untersucht, die Verschwörung aufgedeckt und die beiden Schuldigen wurden an den Galgen gehängt. Der König ließ den Vorfall in die amtliche Chronik eintragen.




Erzähler(in)
Rund vier Jahre später ernennt der König seinen neuen Hofmarschall.
Seine Wahl zu dem, nach dem König wichtigsten und mächtigsten Mann im Reich, fällt auf Haman einem Nachfahren von
Agag, dem König der Amalekiter. Sein Volk war einst von den Israeliten unter Saul bei einer Schlacht besiegt und König Agag von einem Israeliten getötet worden.
In der Torhalle zum königlichen Palast sind die höchsten Beamten mit ihren Schreibern beschäftigt. Immer wenn Haman durch diese Hallen schreitet, müssen alle ihre Arbeit unterbrechen, sich vor dem Hofmarschall niederwerfen und ihm in dieser Gebetshaltung die Ehre erweisen, die ihm als zweiter Mann im Reich zusteht.
Mordechai ist ebenfalls in der Torhalle im Dienste des Königs angestellt. Doch sich vor dem Hofmarschall niederzuwerfen und ihn quasi anzubeten, kommt für ihn nicht in Frage.
Er betet ausschließlich zu Gott. So verweigert er sich und arbeitet in seiner Ecke einfach weiter.
Es dauerte nicht lange, da kommen die anderen Beamten auf ihn zu und fragen ihn warum er sich nicht vor Haman niederwerfen will, so wie es dem Hofmarschall zusteht.
„Ich bin Jude und bete nur zu einem Gott, den Gott meines Volkes Israel.“
Damit ist klar: Mordechai wird sich nie vor diesem Menschen in den Staub werfen.
Mordechai – ein Jude. Natürlich wird diese Information auch Haman zugetragen.
Dieser sieht hier die Chance endlich seinen Urahn zu rächen und mit den Israeliten abzurechnen.

Zimbeln erklingen: Mitarbeiterin

Lektorin(1): (Lesung aus dem 3.Kapitel von Vers 7 bis 13)
Im ersten Monat des zwölften Regierungsjahres des Königs Xerxes, dem Monat Nisan, wurde auf Anordnung Hamans für alle Tage des Jahres bis hinein in den zwölften Monat, den Monat Adar, das Pur – das ist das Los – geworfen. Auf diese Weise wollte Haman den günstigsten Zeitpunkt für sein Unternehmen herausfinden. Danach sagte er zum König: »Es gibt ein Volk in deinem Reich, das über alle Provinzen zerstreut lebt und sich von den anderen Völkern absondert. Seine Bräuche sind anders als die aller anderen Völker und die königlichen Gesetze befolgt es nicht. Das kann sich der König nicht bieten lassen.
Wenn der König einverstanden ist, soll der Befehl erlassen werden, sie zu töten. Ich werde dann in der Lage sein, den Verwaltern der Staatskasse 10000 Zentner Silber auszuhändigen.«
Der König zog seinen Siegelring vom Finger, gab ihn dem Judenfeind Haman
und sagte zu ihm: »Ihr Silber überlasse ich dir! Und mit ihnen selbst kannst du machen, was du willst!«
Am 13. Tag des 1. Monats ließ Haman die Schreiber des Königs zusammenrufen und diktierte ihnen einen Erlass an die Reichsfürsten, an die Statthalter der Provinzen und an die Fürsten der einzelnen Völker, jeweils in der Schrift und Sprache des betreffenden Landes. Der Erlass war als Schreiben des Königs abgefasst und mit dessen Siegelring gesiegelt.
Er wurde durch Kuriere in alle Provinzen des Reiches gebracht und enthielt den Befehl: »Alle Juden – Männer, Frauen und Kinder – sollen an einem einzigen Tag, dem 13. Tag des 12. Monats, des Monats Adar, erschlagen, ermordet, ausgerottet werden. Ihr Besitz ist zur Plünderung freigegeben.«




Erzähler(in):
Da die Pläne des Haman das gesamte Reich betreffen, werden eiligst Reiter ausgesandt, die die Erlasse bis in die entlegensten Orte bringen.
Allen wird bekannt gemacht, was mit der jüdischen Bevölkerung zu geschehen habe.
So sind die Kuriere in alle Himmelsrichtungen unterwegs, damit sich die Feinde der Israeliten rüsten können, rüsten können für den Tag, der zum jüngsten Tag für das Volk der persischen Juden werden soll.
Auch in Susa erfolgt die Bekanntmachung und sorgt für große Aufregung bei allen Bewohnern der Stadt.
Auch Mordechai erfährt davon und ist geschockt, denn er weiß, ein Erlass des Königs ist unumstößlich...
Er hat das Ende seines ganzen Volkes vor Augen und sieht eine letzte Chance auf Rettung…

Teil 2 – Bibel teilen
Kapitel 4 –
Lied: Ich glaube fest – 661,1-4
Erklärung: durch Moderator(in)
Die Besucher bilden Gruppen zu ca. 10 Personen und verteilen sich im Gebäude - Mitarbeiter(innen) leiten an

In sieben Schritten: Gemeinsam lesen – Bibel teilen

Sich öffnen: Wir öffnen uns der Gegenwart Gottes mit dem Lied:
Lesen: Wir lesen das 4.Kapitel reihum laut vor. Jede und jeder liest einen Vers.
Vertiefen: Wir verweilen beim Text. Worte und Wendungen des Abschnitts, die uns auffallen, lesen wir, durchaus auch mehrmals, noch einmal laut vor, ohne dass wir etwas dazu zu sagen oder zu fragen.
Schweigen: Jemand liest den ganzen Abschnitt noch einmal vor. Dann kehr Stille ein, in der wir den Text auf uns wirken lassen, ihn bedenken und mit unserem Leben in Verbindung bringen.
Mitteilen: Aus der Stille heraus teilen wir einander unsere Gedanken mit. Wir sprechen möglichst persönlich und diskutieren die einzelnen Beiträge nicht, sondern hören einander aufmerksam zu.
Austauschen: Wir unterhalten uns über die Aussagen des Bibeltextes und fragen nach seiner Beziehung zu unserem persönlichen Leben, der Gemeinde und der Gesellschaft.
Beten: Anschließend kann, wer möchte, Dank, Bitte oder Fragen vor Gott aussprechen.
Wir schließen mit dem gemeinsamen Gebet: „Von guten Mächten“
(Die Besucher kommen wieder in der zentralen Begegnungsstätte zusammen)
Zurückkommen und singen
Lied: Ich glaube fest – 661,1-4


Moderator(in):
Heute Abend sind wir in eine Orientalische Welt eingetaucht.
Wir haben geschaut …
Wir haben gelesen …
Wir haben gehört …
Wir haben gerochen  ..
Wir haben getrunken ..
Doch zu einem Festmahl, wie es Königin Ester veranstaltet, fehlt noch eines … das leckere Essen.
Wir haben daher für Sie einige Leckereien vorbereitet und wünschen eine gesegnete Mahlzeit.
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Ø  Speisen werden ausgeteilt
Ø  Hintergrundmusik startet (z.B. Calligraphes Vocales )
Ø  Die Teilnehmer speisen und kommen ins Gespräch
Ø  Dauer: ca. 40 Minuten
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Teil 3 – Die Wende

Erzähler(in):
„Komme ich um, so komme ich um.“
Groß und schwer lasten diese Worte auf der jungen Seele der Ester.
Sie gibt sich ganz in Gottes Hand. Nach 3 Tagen des Fastens und Betens, wagt die junge Königin den Schritt hin zu ihrem Gemahl und König … lebensgefährlich - ohne vorher gerufen worden zu sein.
Zimbeln erklingen: Mitarbeiter(in)

Lektor(in) 2: (Lesung des 5.Kapitels von Vers 1 bis Vers 14)
Dann am dritten Tag legte Ester die königlichen Gewänder an und ging in den inneren Hof des Palastes, der direkt vor dem Thronsaal liegt. Der König saß gerade auf seinem Thron, der offenen Saaltür gegenüber. Da sah er auf einmal Königin Ester im Hof stehen. Aber sie fand seine Gunst und er streckte ihr das goldene Zepter entgegen, das er in der Hand hielt. Ester trat heran und berührte die Spitze des Zepters.
Der König fragte sie: »Was führt dich her, Königin Ester? Was ist dein Wunsch? Ich gewähre dir alles, bis zur Hälfte meines Königreiches!«
Ester antwortete: »Mein König, wenn es dir recht ist, dann komm doch heute mit Haman zu dem Mahl, das ich für dich vorbereitet habe.«
»Schnell, holt Haman herbei«, rief der König, »damit wir Esters Einladung folgen!« So kam der König mit Haman zu Esters Mahl.
Beim Wein fragte er sie: »Was ist nun dein Wunsch? Ich erfülle ihn dir! Fordere, was du willst, bis zur Hälfte meines Königreiches!«
Ester antwortete: »Ich habe eine große Bitte: Wenn ich deine Gunst, mein König, gefunden habe und wenn du so gnädig bist, mir meinen Wunsch zu erfüllen, dann komm doch auch morgen mit Haman zu dem Mahl, das ich für dich vorbereiten werde. Dann will ich dir meinen Wunsch sagen.«
Haman war in bester Laune, als er von dem Mahl bei der Königin nach Hause ging. Doch im Tor kam er an Mordechai vorbei, der nicht vor ihm aufstand und ihm nicht die geringste Ehrerbietung erwies. Haman wurde von Wut gepackt, aber er ging weiter. Zu Hause rief er seine Freunde und seine Frau Seresch.
Er prahlte vor ihnen mit seinem Reichtum und der großen Zahl seiner Söhne und strich voll Stolz heraus, wie der König ihn ausgezeichnet und über alle anderen Fürsten und Minister gestellt habe. »Und die Königin Ester«, fuhr er fort, »hat zu dem Mahl, das sie veranstaltet hat, außer dem König nur noch mich eingeladen und auch morgen soll ich zusammen mit dem König bei ihr essen.
Aber das alles ist mir vergällt, solange ich den Juden Mordechai im Tor des Palastbezirks sitzen sehe!«
Da rieten ihm seine Frau und seine Freunde: »Lass einen Galgen errichten, zwanzig Meter hoch, und lass dir vom König die Erlaubnis geben, Mordechai daran aufzuhängen. Danach kannst du unbeschwert mit dem König zum festlichen Mahl gehen.« Haman fand den Vorschlag ausgezeichnet und gab sofort Befehl, den Galgen aufzurichten.

Erzähler(in):
Haman ist glücklich und zufrieden. Endlich kann er es diesem Widerständler zeigen. Das hat er nun davon, dass er sich ihm nicht unterworfen hat. An einem 20m hohen Galgen soll er baumeln. So, dass das ganze Volk es sehen kann. Für alle zur Abschreckung, denn er Haman ist dem König fast gleich und muss entsprechend geehrt werden. Doch das ist so eine Sache mit der Ehre …

Zimbeln erklingen: Mitarbeiter(in)

Lektor(in) 3: (Lesung des 6.Kapitels von Vers 1 bis Vers 14)
Der König konnte in dieser Nacht nicht schlafen, deshalb ließ er die Chronik bringen, in der die wichtigen Ereignisse seiner Regierungszeit aufgeschrieben waren. Man las dem König daraus vor
und kam dabei zu der Stelle, wo berichtet wurde, wie Mordechai die Verschwörung der königlichen Torwächter Bigtan und Teresch aufgedeckt und König Xerxes das Leben gerettet hatte.
Der König fragte: »Was für eine Belohnung, was für eine Auszeichnung hat Mordechai dafür erhalten?« »Keine«, antworteten die Diener des Königs.
»Wer ist da draußen im Hof?«, fragte der König. Eben in diesem Augenblick war nämlich Haman in den äußeren Hof des Palastes getreten. Er wollte sich vom König die Erlaubnis erbitten, Mordechai an den Galgen zu hängen, den er errichtet hatte. Die Diener antworteten dem König: »Es ist Haman, der da draußen steht.« »Ruft ihn herein«, befahl der König.
Als Haman eintrat, fragte der König ihn: »Was kann ein König für jemand tun, dem er eine besondere Ehre erweisen will?« Haman dachte: »Da kann nur ich gemeint sein; wen sonst sollte der König besonders ehren wollen?«
Deshalb antwortete er: »Für den Mann, dem der König eine besondere Ehre erweisen will, soll man ein kostbares Gewand bringen, das sonst der König selbst trägt, und ein Pferd mit dem königlichen Schmuck am Zaumzeug, das sonst der König selbst reitet.
Man soll Pferd und Gewand einem der höchsten Würdenträger des Königs übergeben, damit dieser den Mann, den der König ehren will, königlich kleidet und ihn auf dem Pferd des Königs über den großen Platz der Stadt führt. Dabei soll er vor dem zu Ehrenden hergehen und ausrufen: ›So handelt der König an dem Mann, dem er eine besondere Ehre erweisen will!‹«
Da sagte der König zu Haman: »Nimm schnell ein Gewand und ein Pferd, wie du sie beschrieben hast! Ehre den Juden Mordechai, der in der Torhalle des Palastbezirks sitzt, so wie du es vorgeschlagen hast! Du musst alles genauso ausführen und darfst nichts auslassen.«
Haman folgte dem Befehl des Königs, kleidete Mordechai königlich, führte ihn auf dem Pferd des Königs über den großen Platz und rief vor ihm aus: »So handelt der König an dem Mann, dem er eine besondere Ehre erweisen will!«
Danach kehrte Mordechai an seinen Platz im Tor des Palastbezirks zurück. Haman aber eilte völlig verstört, mit verhülltem Gesicht, nach Hause.
Dort erzählte er seiner Frau und allen seinen Freunden, was geschehen war. Diese seine klugen Ratgeber sagten zu ihm: »Wenn Mordechai, mit dem dir das passiert ist, zum Volk der Juden zählt, dann kannst du aufgeben. Dein Untergang ist besiegelt.«
Noch während sie das sagten, kamen die Diener des Königs, um Haman zum Mahl bei der Königin abzuholen.


Nachtisch wird serviert
Hinleitung durch Moderator(in)

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Erzähler(in):
Haman will Mordechai und mit ihm quasi das ganze jüdische Volk an den Galgen bringen. Endlich Rache nehmen.
Doch statt Mordechai an den Galgen zu führen, muss er ihm die Ehre erweisen.
Was für ein Rückschlag!
„Dein Untergang ist besiegelt.“ So klingt es noch in seinen Ohren, als er sich für den Besuch bei Ester bereit macht. ..

Zimbeln erklingen: Mitarbeiter(in)

  
Lektor(in) 4: (Lesung Kapitel 7 Vers 1 - 10)
Der König und Haman fanden sich dort ein. Beim Wein richtete der König an Ester dieselbe Frage wie am Tag zuvor: »Was ist nun dein Wunsch, Königin Ester? Ich erfülle ihn dir! Fordere, was du willst, bis zur Hälfte meines Königreiches!«
Die Königin antwortete ihm: »Wenn ich deine Gunst, mein König, gefunden habe und du mir eine Bitte erlauben willst, dann flehe ich um mein Leben und um das Leben meines Volkes. Man hat uns verkauft, mich und mein Volk; man will uns töten, morden, ausrotten! Würden wir nur der Freiheit beraubt und als Sklaven verkauft, so hätte ich geschwiegen und den König nicht damit belästigt.«
Da sagte König Xerxes, und er wandte sich dabei an die Königin Ester: »Wer wagt so etwas? Wo ist der Mann, der so schändliche Pläne ausheckt?«
Ester antwortete: »Unser Todfeind ist dieser böse Haman hier!« Haman blickte entsetzt auf den König und die Königin.
Voll Zorn stand der König von der Tafel auf und ging in den Schlosspark hinaus. Haman trat auf Königin Ester zu und flehte um sein Leben. Er spürte, dass der König schon seinen Tod beschlossen hatte.
Als der König wieder in den Saal trat, fand er Haman kniend vor dem Polster, auf dem Ester lag. Empört rief er: »Jetzt tut er sogar der Königin Gewalt an, und das in meinem Palast!« Kaum war das Wort aus dem Mund des Königs, da verhüllten schon die Diener das Gesicht Hamans.
Einer der königlichen Eunuchen, Harbona, sagte: »Da ist doch noch der Galgen, den Haman für Mordechai, den Retter des Königs, errichten ließ! Er steht auf Hamans eigenem Grundstück, er ist zwanzig Meter hoch.« »Hängt Haman daran auf!«, befahl der König.
So wurde Haman an den Galgen gehängt, den er selbst für Mordechai bestimmt hatte. Darauf legte sich der Zorn des Königs.


Erzähler(in):
In Persischen Reich ist Wahrheitsliebe eine hohe Tugend. Ein ehrlicher armer Bürger ist bei weitem höher geachtet als ein reicher, der bekanntermaßen immer wieder lügt.
Unter diesem Aspekt wiegt der Verrat des Haman doppelt schwer.
Der König ist zutiefst verletzt. Haman, der Mann in den er sein volles Vertrauen gesetzt und sich auf ihn verlassen hat, der Mann den er zum zweiten Mann im Reich, zu seiner rechten Hand gemacht hat, dieser Mann betrügt ihn und belügt ihn.
Der König verdammte, aufgrund Hamans Lügen, alle Israeliten im Reich.
Er verurteilte sie zum Tode.
Der König erkennt den Fehler und die Situation in die Haman ihn gebracht hat.
Er ist außer sich. Und so endet Haman letztlich selbst an genau dem Galgen, den er für Mordechai vorgesehen hatte.

Darüber hinaus ernennt der König Mardochai zu Hofmarschall. Mardochai erhält den Siegelring des Königs und damit das Recht Gesetze im Namen des Königs zu verkünden.
Die einmal verkündeten Erlasse des Großkönigs sind jedoch unumstößlich und können. Auch mit dem Siegelring des Königs, nicht zurückgenommen werden. Das Ende der persischen Juden scheint besiegelt.

Zimbeln erklingen: Mitarbeiter(in)

Lektorin (1): (Lesung aus dem 8.Kapitel von Vers 9 bis Vers 10)
Mordechai ließ die Schreiber des Königs zusammenrufen – es war am 23.Tag des 3.Monats,2 des Monats Siwan – und diktierte ihnen einen Erlass an die Juden im ganzen Reich sowie an die Reichsfürsten und die Statthalter und obersten Beamten aller 127 Provinzen von Indien bis Äthiopien, jeweils in der Schrift und Sprache des betreffenden Landes und auch für die Juden in ihrer eigenen Schrift und Sprache.
Der Erlass war im Namen des Königs abgefasst; er wurde mit dem königlichen Siegel versehen und durch berittene Boten auf den schnellsten Kurierpferden in alle Provinzen geschickt. Er enthielt die Verfügung:

Lektor(in) 2: (Lesung aus dem 8.Kapitels von Vers 11 bis Vers 12)
Der König erlaubt den Juden in allen Städten seines Reiches, sich zum Schutz ihres Lebens zusammenzutun und alle zu töten, zu vernichten und auszurotten, die ihnen und ihren Frauen und Kindern Gewalt antun wollen – und zwar überall im Reich, wo das vorkommt, unter allen Völkern und in allen Provinzen. Der Besitz ihrer Feinde wird den Juden zur Plünderung freigegeben.
Diese Erlaubnis gilt für ein und denselben Tag in allen Provinzen des Reiches, nämlich den 13.Tag des 12.Monats, des Monats Adar.«

Lektor(in) 1: (Lesung aus dem 8.Kapitel von Vers 13 bis Vers 15)
In jeder Provinz sollte dieser Erlass öffentlich bekannt gemacht werden und die Juden sollten sich für diesen Tag rüsten, um sich an ihren Feinden zu rächen.
In höchster Eile und auf den besten königlichen Kurierpferden machten sich die Boten mit der Anordnung des Königs auf den Weg. Auch im Palastbezirk von Susa wurde der königliche Erlass bekannt gemacht.
Darauf trat Mordechai aus dem Palastbezirk, gekleidet, wie es seiner hohen Stellung entsprach. Er trug ein Gewand in violetter und weißer Farbe, einen Mantel aus feinem weißem Leinen und purpurrotem Wollstoff und dazu eine große goldene Krone. Die Bewohner von Susa jubelten ihm zu.


Erzähler(in):
Mordechai ist Hofmarschall und alle Beamten überall im Reich sind ihm Gehorsam schuldig.
Es kommt der 13. Tag des 12.Monats, des Monats Adar und die Rachepläne des Haman wandeln sich ins Gegenteil. In Susa und überall im Reich werden statt den Juden, deren Feinde getötet. Auch die zehn Söhne des Verräters Haman kommen bei den Unruhen um.
So feiern alle Juden im Reich am 14.Tag des Monats Adar ihr überleben.
Ihr Todesurteil trifft nun ihre Feinde.
In Susa selbst dauern die Kämpfe zwei Tage.
So feiern die Juden dort erst am 15ten ihre Rettung.
Zimbeln erklingen: Mitarbeiter(in)
Lektor(in) 3: (Lesung aus dem 9.Kapitel von Vers 20 bis Vers 24 bis … bekam dieses Fest den Namen „Purim“)
Mordechai schrieb die Ereignisse dieser Tage auf und schickte an alle Juden in allen Provinzen des Königs Xerxes, nah und fern, einen Brief. Darin ordnete er an, jährlich den 14. und 15.Tag des Monats Adar festlich zu begehen, zur Erinnerung an die Tage, die ihnen Ruhe und Rettung vor ihren Feinden gebracht hatten, und an den Monat, in dem sich ihr Kummer in Freude und ihre Trauer in Jubel verwandelt hatte. An diesen beiden Tagen sollten die Juden festliche Gelage halten und sich gegenseitig auserlesene Speisen zusenden; außerdem sollten sie den Armen Geschenke machen.
Die Juden folgten der Anordnung Mordechais und begingen von da an Jahr für Jahr das Fest, das sie damals nach ihrer Rettung gefeiert hatten.
Weil der Judenfeind Haman die Juden völlig vernichten wollte und zur Bestimmung des entscheidenden Tages das Pur – das ist das Los – geworfen hatte, bekam dieses Fest den Namen Purim.

Erzähler(in):
Die geretteten Juden machen es sich zur Pflicht die Erinnerung an den Tag ihrer Beinahe-Vernichtung wachzuhalten.
Ester und Mordechai schreiben zwei Briefe, die an die jüdische Bevölkerung überall im Reich gerichtet sind, in denen genau aufgeführt ist, wie das Fest abzulaufen hat.

Lektorin (4):
Purim, ein freudiger Gedenktag, wird am 14. Des Monats Adar zur Erinnerung an die Errettung der Juden in Persien gefeiert.
Im Buch Ester wird erzählt, dass die Königin Ester, ihrem Rettungsversuch drei Tage lang fastete und auch alle jüdischen Bewohner der Stadt Susa dasselbe taten. Zur Erinnerung daran wird der Tag vor Purim als Fastentag begangen, der „Fasten Ester“ genannt wird.
Purim ist als freudiger Gedenktag ein Arbeitstag. Bereits im Buch Ester wird von der Festlegung berichtet, dass der Freude über die Rettung durch ein Festmahl, durch gegenseitiges Beschenken mit Speisen und durch Spenden für die Armen Ausdruck verliehen werden soll. An Purim ist es erlaubt, viel zu trinken, sogar sich zu betrinken, denn im Buch Ester ist das Mahl, das man zur Erinnerung an das Ereignis einnehmen soll, als Trinkgelage bezeichnet.
Zu Purim gehört besonders die Kostümierung von Kindern, die Aufführung von dramatischen Purimspielen, die meist die Estergeschichte zum Inhalt haben, aber auch andere biblische Ereignisse behandeln.
Besondere kulinarische Köstlichkeiten, wie „“Kreppchen“ oder „Hamastasche“, die beide die Ohren des Haman symbolisieren sollen, werden gereicht. Solche Spezialitäten und andere, meist selbstgefertigte Leckereien werden auch Freunden und Bekannten als Geschenke übersandt bzw. überbracht.
Quelle: Auszugsweise nach http://www.zentralratdjuden.de/de/article/239.purim.html

Erzähler(in)
Mardochai schreitet in edlen Gewändern durch das „Tor der Völker“ in Persepolis. Von Sack und Asche ist nun nichts mehr zu sehen. Tief verneigen sich die Bediensteten im Innenhof des Palastes vor dem neuen königlichen Hofmarschall. Als er den Empfangssaal betritt, wartet dort schon eine Menschenmenge auf eine Audienz beim König. Der Jude Mardochai ist sehr beliebt im persischen Volk. So huscht ab und zu sogar ein Lächeln über die Gesichter der Menschen an denen er vorübergeht.

Teil 4 – Der Abschluss
Hinweise der Gottesdienstbesucher auf Flipchart – gerne Feedback
Lied: Gott behüte uns (Liedblatt)

Segen
Austeilen der Segenssprüche

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Hinweis: Copyright der Texte liegt beim Autor

Dienstag, 6. Januar 2015

Predigt zum Erscheinungsfest 2015 - Wolfgangkirche Hoheneck

hl. 3 Könige - Matthäus 2, 1-12

06.01.2014 

Vorbereitung:
Den Gottesdienstbesucher(innen) wir ein Tütchen mit Punschgewürzen überreicht.

Der Gottesdienst fand in der Hohenecker Wolfgangkirche statt. Weihnachtsbaum, Krippe und Weihnachtsstern schmückten den Kirchenraum.


Schriftlesung - 1.Korinther 9, 19-22
 19 Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.
20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden - obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne.
21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden - obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne.

22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.


Predigt zu Matthäus 2, 1-12

Liebe Gemeinde,
in den letzten beiden Sonntagspredigten hatten wir von den ersten „Auftritten“ Jesu gehört.
Zunächst als Säugling von seiner Darstellung im Tempel und vergangenen Sonntag als 12-jähriger, als er sich von seinen Eltern abgesetzt und 3 Tage im Tempel, im Hause seines Vaters verbracht hatte.
Heute gehen wir noch ein letztes Mal zurück zur Geburt im Stall.
Heute tauchen wir noch einmal ein in die Weihnachtsstimmung, schnuppern an den Punschgewürzen, die Sie in Händen halten.
Heute sehen wir ein letztes Mal den Weihnachtsbaum mit seinen Sternen und Lichtern, sehen die geschmückte Empore mit dem hell leuchtenden Stern, finden ein letztes Mal die Krippe hier auf dem Taufstein. Am Samstag sammelt der CVJM wieder die ausgedienten Weihnachtsbäume ein, unter all dem Grün wird auch dieser Baum hier sein. Doch noch ist es nicht so weit.
Heute ist Epiphanias;
heute ist das Erscheinungsfest.
Heute hören wir von drei Gelehrten, die aus einem fernen Land auszogen, um einer Sterndeutung zu folgen; einer Sterndeutung, die die Geburt eines Königs versprach.
Wir hören aus dem 2.Kapitel des Matthäus-Evangeliums, die Verse 1-12
Die Weisen aus dem Morgenland
Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll. « Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,  und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.  Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.
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Das war ein Schreck für König Herodes.
Da waren ihm drei Fremde angekündigt worden. Drei wohlhabende, gut gekleidete Herren, die sich auf Ihren Kamelen und wohl, wie es damals üblich war, mit Ihren Dienern und Packtieren im Gefolge, auf den Weg gemacht hatten, um ihn Herodes, den König der Juden zu besuchen.

Er war sicher stolz. Selbst in den weit entfernten Ländern kannte man seinen Namen. Er, Herodes war eine wichtige Persönlichkeit, so wichtig dass drei reiche Herren, hoch angesehene Gelehrte, Sterndeuter, wie man ihm mitgeteilt hatte, ihn dringend sprechen wollten.

Brachten Sie Nachricht, die die Zukunft seines Reichs oder vielleicht sogar seine eigene, persönliche Zukunft betrafen?

Mit Spannung erwartet er und sein gesamter Hofstaat den Auftritt der 3 Weißen aus dem Morgenland.

Der Empfangssaal wimmelt es nur so von Bittstellern aus seinem Volk. Viele kamen zur Klärung von Rechtsstreitigkeiten, andere wollten um Hilfe bitten. Doch nun war es still geworden und alle lauschen den Worten der Fremden.


„Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.“

Herodes wird kreidebleich und schaut sich zu seinen Beratern um. 
Sie starren genauso fassungslos zurück. 
Sein Blick geht hilfesuchend über die Menschen im Saal zurück zu den drei Gelehrten, die ihm soeben den Schock seines Lebens verpasst haben.

„Ich danke euch für euren Besuch und teile euch den Geburtsort später mit ..“ 
Der König versuchte sicher auf eine solche Art und Weise sein Gesicht zu wahren.
Die Audienz ist beendet, der König zieht sich zurück. Er ist geschockt. 
Die Frage dieser hochgebildeten Herren ist durchaus ernst zu nehmen. 
Ein neugeborener König der Juden? Was soll das bedeuten? 
Er weiß von keinem neugeborenen Kind in seiner Familie; und … ist ratlos …

Herodes sucht sich Hilfe.
So lesen wir „und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.“


Die Drei Weißen aus dem Morgenland sind nicht weniger verwundert.
In Israel war ein neuer König geboren worden. Das hatten sie aus der Sternenkonstellation erkennen können und dessen waren sie sich auch sicher. 

Wieso wusste der König nichts davon? 
Wieso schien überhaupt niemand hier in der Hauptstadt davon erfahren zu haben? 
Hier in der Hauptstadt Jerusalem, wo normaler Weise die Königskinder das Licht der Welt erblickten.
Aus den Sternen hatten die drei nur das „Was“ erfahren. Das genaue „Wann“ und vor allem das „Wo“ blieb ihnen jedoch verborgen.

Zunächst kommen nun weder die Drei Weißen noch König Herodes weiter.

Das was für alle Beteiligten am wichtigsten ist, steht halt nicht in den Sternen, sondern ….

- kurze Denkpause –

Die Hohenpriester und Schriftgelehrten treffen mit hochzufriedenen Gesichtern wieder beim König ein. 
Hochzufrieden, denn sie kennen nun die Antwort, die weder die hochgeschätzten Gelehrten aus dem fernen Land noch ihr eigener König wussten. 

Die Antwort fanden sie in der heiligen Schrift:
„In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): 
Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“

König Herodes hört sich die Antwort an. Kein Zweifel, das was der Prophet Micha hier angekündigt hat, passt zu seiner augenblicklichen Situation.

Jetzt soll irgendein Kind, geboren im Provinznest Bethlehem seinen Platz als König einnehmen? Nein, das würde er nicht zulassen. Das Kind muss beseitigt werden, soviel war klar. Aber hierzu musste es erst noch gefunden werden.

König Herodes lässt die Drei Weißen aus dem Morgenland zu sich rufen. 
Dieses Mal jedoch nicht im Empfangssaal, in dem alles Volk mit dabei war, nein! 
Dieses Mal ruft er sie im geheimen zu sich und lässt sich von ihnen alles erzählen, was sie von dem Ereignis wussten.
Nachdem sie nichts mehr zu erzählen hatten, verrät Herodes das Geheimnis: „Geht nach Bethlehem!
Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.“


So machen sich die drei auf den Weg nach Bethlehem. Etwas verwundert, wegen dem Ziel ihrer Reise, jedoch frohen Mutes, denn sie sehen den hellen Stern wieder, der ihnen den Weg weist.

All ihr Wissen, das Studium der Sterne, all ihre Erfahrung brachte sie nicht ans Ziel. 
Erst die Heilige Schrift, das Wort Gottes brachte die Antwort auf all ihre Fragen. 
Bereits jetzt spürten sie: Dieser Gott der Juden ist ein mächtiger Gott. 
Er wusste schon lange vor allen anderen, dass sie einst die Frage stellen würden, auf die sie nun eine Antwort erhalten hatten. 
War er es möglicherweise, der die Sterne lenkte, damit sie sich überhaupt erst auf den Weg machen konnten?

Sie kommen nach Bethlehem. 
Der Tross zieht die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich. Verwundert bleiben die vereinzelten Männer und Frauen, die in der Dämmerung unterwegs sind am Wegesrand stehen und schauen den Fremden nach. 

Der Stern bleibt über einem Stall stehen.
Sie steigen von Ihren Kamelen ab und betreten den Stall. 
In der Futterkrippe finden sie ein Neugeborenes, daneben seine Mutter.
Verwundert blicken die drei sich an: „Das soll der neue König der Juden sein?“
Aber ihre Erfahrung sagt ihnen, die Sterne lügen nicht. Außerdem klingt ihnen noch die Antwort des Herodes in den Ohren: Geht nach Bethlehem!

Sie sind sich nun ganz sicher: Der neue König der Juden, mehr noch Christus selbst liegt vor ihnen in der Krippe. Sie packen Ihre Geschenke aus und fallen vor dem Kind auf die Knie und beteten es an.

Sie sind voller Freude, am Ziel ihrer Reise angelangt. 
Sie würden nun zuerst zurück nach Jerusalem reisen und König Herodes alles berichten.

Doch es kommt anders. Im Traum spricht Gott zu Ihnen. 
Sie sollen nicht zu Herodes zurückkehren, sondern einen anderen Weg nehmen.

Sie sind hin und weg. Dieser fremde Gott, der Gott der Juden hatte tatsächlich zu ihnen gesprochen. Jetzt waren sie sich sicher. Dieses Kind war ein ganz besonderes Kind, ein göttliches Kind, das unter Gottes Schutz stand.

So zogen sie weiter in ihre Heimat.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.
Dies gilt heute und dies galt noch mehr im Altertum.
Voller Freude waren sie und erzählten sicher jedem und jeder von dem was ihnen widerfahren war.
Voller Freude wurden sie somit zu denen, die einen ersten, feinen Lichtstrahl der Guten Nachricht, des Evangeliums in die Welt trugen.

-          Kurze Pause -

Gott zeigt uns hier, dass all unser Wissen, all unsere Erfahrungen uns letztlich nicht an das Ziel unseres Lebens bringen können.
Gott lässt seine Wahrheit in allem und jedem aufblitzen.
Im Sinne des Briefes an die Korinther, den wir in der Schriftlesung gehört hatten, könnte man sagen:
Den Sterndeutern bin ich ein Sterndeuter geworden, damit ich Sterndeuter gewinne.


Die Sterndeuter machten sich auf den Weg, weil sie von ihrem Wissen um die Sterne überzeugt waren. Doch ohne Gottes Hilfe, ohne die Heilige Schrift, wäre sie nie ans Ziel gelangt. Letztlich ist alles Wissen nichts wert, ohne Gott.


Das haben die Drei Weißen aus dem Morgenland erkannt. 

Und diese Weisheit tragen sie nun nach Hause in ihr Land.

Sie hatten erkannt: Die umfassenden Antworten kennt alleine Gott.

Auch für uns heute gilt:
Viele Antworten finden wir in der Heiligen Schrift, im Alten und Neuen Testament.
Andere Antworten finden wir nur direkt bei ihm.
Im Gebet offenbaren wir unser Herz unsere Seele.
Oft müssen wir auf einen Antwort lange warten und dabei ganz genau hinhören und hinschauen; Doch eins ist sicher, Gott begleitet uns, er lässt uns nicht im Stich, er steht uns bei.


Ein letztes Mal schauen wir auf den Weihnachtsbaum mit seinen Sternen und Lichtern, sehen die geschmückte Empore mit dem hell leuchtenden Stern, finden ein letztes Mal die Krippe hier auf dem Taufstein.

Beim nächsten Gottesdienst, hier in der Wolfgangkirche, wird von alledem nichts mehr zu sehen sein.
Lassen Sie uns versuchen einen Teil von dieser Weihnachtsstimmung, dieser Aufbruchsstimmung des Glaubens mit in den Rest des Jahres, mit in den Alltag zu retten.
Lassen sie uns versuchen von dieser Guten Nachricht zu erzählen.
Zu erzählen wie einst die drei Weißen aus dem Morgenland,
zu erzählen wie die ersten „Missionare“ Christi,
zu erzählen vom Licht in der Dunkelheit.
… und möge das Tütchen mit den Punschgewürzen Ihnen hierzu eine kleine Gedankenstütze sein.
Amen


Donnerstag, 1. Januar 2015

Gottesdienst am Sonntag 28.12.2014

Den letzten Sonntagsgottesdienst das Jahres 2014 hielt ich in der Wolfgangkirche in Ludwigsburg-Hoheneck zu Lukas 2, 22-39.
Im Predigttext  erfuhren wir von dem ersten "Auftreten" des ca. einen Monat alten Jesus bei der  "Darstellung Jesu im Tempel" .... 


Schriftlesung 3.Mose 12, 1-4

Bestimmungen für die Wöchnerinnen
Und der HERR redete mit Mose und sprach:  Rede mit den Israeliten und sprich: Wenn eine Frau empfängt und einen Knaben gebiert, so soll sie sieben Tage unrein sein, wie wenn sie ihre Tage hat.  Und am achten Tage soll man ihn beschneiden.  Und sie soll daheim bleiben dreiunddreißig Tage im Blut ihrer Reinigung. Kein Heiliges soll sie anrühren und zum Heiligtum soll sie nicht kommen, bis die Tage ihrer Reinigung um sind.

Predigt


Nach der WM ist vor der EM. Kaum ist das eine Fußballfest vorüber, fiebert die Nation schon dem nächsten entgegen.
Nach Weihnachten ist vor dem Advent. Kaum ist das Fest der Liebe vorüber, wird schon das nächste Weihnachtsfestgeschäft geplant. Wäre da nicht Ostern, so würden die Weihnachtsartikel wohl das ganze Jahr über in den Regalen zu finden sein …
Der Heilige Abend war erst vor wenigen Tagen und doch scheint er vielen schon weit in der Vergangenheit zu liegen. Manch einer kann es kaum erwarten, bis es wieder so weit ist.
Nach der Geburt Jesu, waren Maria und Josef auf Geheiß Gottes mit dem neugeborenen Kind nach Ägypten geflüchtet. Lediglich die Hirten, die drei Weißen aus dem Morgenland und einige Bewohner  Bethlehems hatten davon erfahren, dass in jener Nacht ein ganz besonderes Kind geboren worden war. In der Schriftlesung haben wir davon gehört, dass nach der Geburt eines Knaben die junge Mutter 33 Tage dem Heiligtum fern bleiben muss. Dies galt natürlich auch für Maria, denn das junge Paar war gläubig und folgte den göttlichen Gesetzen, die Mose seinen Israeliten übermittelt hatte.
So wurde Jesus nach 8 Tagen beschnitten und nachdem die 33 Tage der Reinigung vorüber waren und Gott zu Josef im Traum gesprochen und die gefahrlose Heimkehr der jungen Familie kundgetan hatte, brachten sie Jesus in den Tempel um ihn, gemäß dem Gesetz des Mose, darzustellen.
Wie schon bei der Geburt im Stall, so lief auch diese traditionelle Handlung anders, … besonders ab.
Ich lese aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 2 die Verse 22 bis 39
Jesu Darstellung im Tempel. Simeon und Hanna
Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2.Mose 13,2; 13,15): »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« (3.Mose 12,6-8). Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war mit ihm. Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.
 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird  - und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte, und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.
Jesus wurde im Tempel „dargestellt“. Eine für unsere Begriffe einigermaßen befremdlich wirkende jüdische Tradition. Wieso werden Kinder hier „dargestellt“ und was bedeutet dies für die Israeliten? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir weit in die Vergangenheit des auserwählten Volkes zurückgehen; zurück bis zur Zeit des Mose und dem Auszug aus Ägypten.
Mit der letzten Plage, die letztlich den Auszug aus Ägypten möglich gemacht hatte, mussten alle Erstgeborenen in Ägypten den Starrsinn des Pharao mit dem Leben bezahlen.
Zum Gedenken werden seither alle männlichen Erstgeborenen  in Israel Gott geopfert. Grundsätzlich gilt dies für Mensch und Tier.  Im 2.Buch Mose lesen wir: so sollst du dem HERRN alles aussondern, was zuerst den Mutterschoß durchbricht. Alle männliche Erstgeburt unter dem Vieh gehört dem HERRN.
In Bezug auf die menschlichen Erstgeburten lesen wir:
Darum opfere ich dem HERRN alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, aber die Erstgeburt meiner Söhne löse ich aus.
Die Söhne werden also ausgelöst. Mit dem Opfer nach der Zeit der Reinigung, werden die erstgeborenen Söhne im Tempel an Gott übergeben, Gott „geopfert“. Ein so genanntes Erstlingsopfer.
Im 4.Buch Mose spricht Gott zu Aron und erklärt ihm seine Pflichten und Rechte als Oberhaupt der Priestersippe. So sollen Ihm und seinen „reinen“ Söhnen und Töchtern die Erstlingsopfer gehören. Dies umfasst unter anderem die erste Ernte, die erstgeborenen Tiere und reicht bis hin zu den erstgeborenen Söhnen des Volkes Israel.
So lesen wir:
Alles, was zuerst den Mutterschoß durchbricht bei allem Fleisch, es sei Mensch oder Vieh, das sie dem HERRN bringen, soll dir gehören. Doch sollst du die Erstgeburt eines Menschen auslösen lassen, und die Erstgeburt eines unreinen Viehs sollst du auch auslösen lassen.
Auslösen – sozusagen „Lösegeld zahlen“. Auch die Höhe der fälligen Zahlung erfahren wir etwas später in diesem Kapitel:
Du sollst es aber auslösen, wenn's einen Monat alt ist, und du sollst es auslösen lassen nach der Ordnung, die dir gegeben ist, um fünf Silberstücke nach dem Gewicht des Heiligtums, das Silberstück zu zwanzig Gramm.
Auf diesem Weg sichert Gott die Existenz der Priesterschaft und ihrer Familien. Durch ihren Dienst im Tempel haben sie keine eigene Einnahmequelle und leben von dem was Gott ihnen zugesteht.
Auch der kleine Jesus wurde im Tempel dargestellt. Sicherlich war er einer unter vielen an diesem Tag und doch fiel er in besonderem Maße auf.
Simeon ist vom heiligen Geist beseelt und erwartet den Christus des Herrn. Er ist bereits sehr alt, doch wurde ihm durch Gott zugesichert, dass er, bevor er stirbt, den Christus erblicken würde.
Als Maria und Josef mit ihrem Erstgeborenen an diesem Tag in den Tempel kommen, wartet Simeon bereits auf sie. Auf Anregen des Geistes kam er in den Tempel und der tief gläubige Simeon erkennt in dem Säugling sofort den Christus des Herrn.
Ich stelle mir die Situation für die jungen Eltern doch einigermaßen befremdlich vor. Sie kommen mit anderen jungen Eltern zur Darstellung des Erstgeborenen, um ihn Gott zu weihen. Nachdem die traditionellen Handlungen vollzogen und das Kind ausgelöst wurde, würden sie den Heimweg antreten. Doch an diesem Tag kommt es anders. Zunächst werden sie in besonderem Maße von Simeon empfangen. Er nimmt Maria den Säugling ab und schießt ihn in die Arme. Die fragenden Blicke, die Maria und Josef sich nun zuwerfen, kann ich mir gut vorstellen. Sicher zieht die Situation auch die Blicke der anderen Besucher und der Priester auf sich.
 Und nicht nur, dass Simeon das Kind zu sich nimmt. Der gläubige und sicher sehr angesehene alte Mann beginnt förmlich zu jubeln. Er lobt Gott dafür, dass er den Heiland erblicken durfte und nun in Frieden sterben könne.
Er äußert sogar noch einen prophetischen Blick in die Zukunft: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird - und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.
Es ist kein leichtes Leben, das da vorhergesagt wird. Vom Fallen, vom Widerspruch, ja gar von einem Schwert das durch die Seele dringt, spricht Simeon. Doch auch vom Aufstehen, oder wie ich kürzlich in einer älteren Übersetzung gelesen hatte, vom Auferstehen und von Offenbarung ist die Rede. Von Anfang an ist Jesu Weg vorgezeichnet, vorgezeichnet bis heute; Bis heute sein Weg mit uns.
Tiefste Tiefen und höchste Höhen. Egal in welcher Situation wir uns gerade befinden, überall treffen wir auf Jesus. Er ist da, um sich mit uns zu freuen, um mit uns zu trauern, um uns beizustehen. Von Anfang an war das klar. Gottes Heiliger Geist spricht aus Simeon.
Es braucht manchmal viel Geduld bis Gottes Herrlichkeit im eigenen Leben ankommt. Simeon hatte voller Geduld ein Leben lang gewartet. Nun wird seine Geduld belohnt.
Und es ist sein Glaube. Sein Glaube öffnet Ihm die Augen und lässt ihn in dem winzigen Etwas, das da eine der jungen Mütter auf dem Arm hält, den Retter der Welt erkennen.
Doch nicht nur Simeon, auch die betagte Prophetin Hanna, die Ihr Leben Gott gewidmet hatte und ihm diente und das obwohl sie bereits früh, nach nur sieben Ehejahren ihren Gatten verloren hatte. Auch Hanna war Feuer und Flamme und gab die Gute Nachricht weiter. Die Gute Nachricht, dass der Christus geboren sei.
Wie ist das bei uns? Haben wir die Geduld des Simeon? Haben wir den Glauben der Hanna? Würden wir Jesus erkennen, wenn er heute vor uns stünde?
Jesus heute erkennen … aber wie?
Dabei begegnen wir ihm täglich.
Im freundlichen Blick der Krankenschwester, die jeden Tag nach dem pflegebedürftigen Vater schaut.
Im geduldigen Lächeln des Ehemannes, der immer wieder dieselben Antworten auf die immer gleichen Fragen der demenzkranken Ehefrau gibt.
Im unentwegten Ausharren der liebenden Eltern, wenn die 15-jährige Tochter wieder einmal über Nacht verschwunden bleibt.
Im Gebet, das der verzweifelte Vater immer wieder spricht, weil sein Kind im Sterben liegt. Sein Kind das von einer verirrten Kugel getroffen wurde. Krieg herrscht in seiner Heimat. Schon viele aus seiner Familie sind umgekommen. Was ihm bleibt ihm, um seine Frau und Kinder zu retten? Was ihm bleibt ist die Flucht. Die Flucht und das Gebet. Das Gebet und Jesus in seinem Herzen …
Erkennen wir Jesus in seinem Handeln?
Wahrlich ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
Wie willkommen sind Flüchtlinge heute bei uns?
Pegida-Aufmarsch in Dresden. Tausende demonstrieren gegen die Islamisierung des Abendlands.
Viele fürchten sich vor Zuständen, wie im Nahen Osten. Wir alle kennen die Bilder und Berichte über die Gräueltaten der radikalen IS-Miliz. Unter dem Deckmantel des Islam verüben diese Verbrecherbanden die schlimmsten Untaten. Von Einschüchterung über Entführungen und Sklavenhandel bis zu Massakern an andersgläubigen Bevölkerungsgruppen, schrecken die IS-Milizen scheinbar vor nichts zurück. Doch auch an anderen Orten der Welt treiben solche Mörder ihr Unwesen. Obwohl diese Gruppen nur eine kleine Minderheit unter des Muslimen der Welt darstellen, sind sie es die die Meinung über alle Muslime, über alle andersartige Menschen, in hohem Maße beeinflussen und Angst und Schrecken verbreiten.
Kein Wunder dass die Angst bis zu uns reicht.   Kein Wunder, dass viele sich lieber hinter verschlossenen Türen und Mauern verschanzen wollen, statt mit hilfesuchenden Flüchtlingen, diesen seltsamen, andersartigen Menschen in Kontakt zu treten, die ja genau aus diesen Gegenden, wie die Todesmilizen kommen. Und doch sind sie die Opfer!
Sie sind unterwegs, wie damals Maria und Josef. Sie klopfen an unsere Türe. Lassen wir sie ein? Lassen wir sie ein in unsere Mitte? In unser Leben?
Oder schicken wir sie zurück in ihr Elend?
Wie begegnen wir der Islamisierung des Abendlandes?
Mit Hassparolen gegen alles Andersartige?
Oder mit christlicher Nächstenliebe?
Die jesusgemäße Antwort wird jede und jeder von uns mit seinem Umgang mit fremden und manchmal auch befremdlich wirkenden Mitmenschen geben.
Unser Umgang mit den menschlichen Herausforderungen, die unser Zeitalter so mit sich bringt, wird uns zeigen wo und wie wir Christus erkennen können.
So dass auch wir mit Simeon jubeln können: meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

AMEN

Sonntag, 14. Dezember 2014

Jetzt neu! Der Seelenfütterer, jetzt auch als Buch

übrigens .....
ich habe nun mein erstes Buch veröffentlicht.
Unter dem Titel "Der Seelenfütterer - Glauben (er) leben" finden Sie teilweise bislang unveröffentlichte Geschichten, Gedichte und geistliche Texte aus den letzten zehn Jahren.
Erschienen ist das Buch im Fromm-Verlag

ISBN-13:

978-3-8416-0545-0

ISBN-10:
3841605451
EAN:
9783841605450



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